Skurriler «Wahlkampf» in Glarus Süd

von Maja Blumer, 4. März 2026

Vor kurzem hat es der «Fridolin» sogar nach «Greater China» geschafft, jedenfalls virtuell: Zwei Ausgaben, die sogar Glarus Süd betreffen, bilden den Einstieg in ein lustiges Youtube-Video unter dem Titel “Switzerland is Getting Ready for the Year of the Horse”1, mit dem mehr chinesische Touristen in die Schweiz – beziehungsweise an die hiesigen Hotspots wie Luzern, Pilatus, Jungfraujoch und Zermatt – gelockt werden sollen. Vielleicht bekommt Glarus Süd ja auch etwas davon ab.

Oder besteht sogar dank der laufenden Gemeinderatswahlen in Glarus Süd die Chance, noch mehr Medieninteresse für die Region zu wecken? Will der «Fridolin» dazu anregen, sich über Demokratie Gedanken zu machen?

Der «Fridolin» wird zwar nicht mehr in Schwanden gedruckt und ist auch nicht mehr selbständig, sondern gehört dank Gerichtsbeschluss des Glarner Obergerichts seit letztem August zum Churer Medienhaus Somedia, ist also ein Schwesternblatt der «Südostschweiz», die wie der «Fridolin» je einmal pro Woche «gratis» in jede Haushaltung in Glarus Süd geliefert wird. Das Obergericht des Kantons Glarus hatte einer Beschwerde gegen die Übernahme die aufschiebende Wirkung entzogen. Begründung: Das Obergericht schätzte die Erfolgsaussichten der Beschwerde von vornherein als gering ein.

Videostill aus dem Youtube-Video von Schweiz Tourismus «Switzerland is Getting Ready for the Year of the Horse», 10. Februar 2026

Nun könnte man denken, die Somedia sei nach dieser doch vielleicht etwas heiklen Übernahme darauf bedacht, beim Wahlkampf im Glarnerland ihre drei Zeitungen «Glarner Nachrichten» (sie sind schon seit 2011 Teil der «Südostschweiz»), «Fridolin» und «Südostschweiz» als unabhängig erscheinen zu lassen. Was etwas schwierig ist, wurden der «Fridolin» und die «Glarner Nachrichten» doch gerade erst örtlich zusammengelegt.

Oder wollte Somedia mit ihrer Berichterstattung Werbeeinnahmen generieren, indem sie hoffte, die Kandidaten, über die sie nicht berichtete, würden versuchen, mit teuren Werbeinseraten auf sich aufmerksam zu machen?

Jedenfalls lief etwas gründlich schief: Noch am Sonntag, 22. Februar 2026, behauptete das – von unseren Gebühren finanzierte – SRF-Newsportal gestützt auf angebliche Aussagen von Gemeindepräsident Hansruedi Forrer (SP) gegenüber der Zeitung «Glarner Nachrichten» (Somedia): Eine Kandidatin oder einen Kandidaten für den frei werdenden Sitz gibt es bisher nicht.

SRF-News vom 19. Februar 2026, Screenshot vom Sonntag, 22. Februar 2026 um 09:01

Die Aussage ist besonders brisant, weil der Artikel angeblich schon am 19. Februar 2026 um 15:48 publiziert wurde. Sowohl Gemeindepräsident Forrer wie auch die «Glarner Nachrichten» wussten oder hätten wissen müssen, dass die Frist für die Meldung von Kandidaten für den Gemeinderat und das Gemeindepräsidium am 20. Februar 2026 um 12:00 angesetzt war. Niemand wusste, wer sich bis zum Ablauf der Frist melden würde.

Aber Gemeindepräsident Forrer wie auch die «Glarner Nachrichten» wussten oder hätten wissen müssen, dass schon am Dienstag, 17. Februar 2026 zwei Kandidaturen gemeldet worden waren: Diejenige von mir, Maja Blumer, und diejenige des FDP-Kandidaten Peter Zentner. Der Gemeindeverwaltung ist hier gar nichts vorzuwerfen. Meine wie verlangt schriftlich gemeldete Kandidatur wurde umgehend Online gestellt.

Dass SRF-News den Fehler stillschweigend korrigierte, nachdem ich am 24. Februar 2026 einen entsprechenden Blogartikel unter dem Titel «Gestalten statt verwalten: Wieso ich – Maja Blumer – für das Gemeindepräsidium von Glarus Süd kandidiere» veröffentlicht habe, und auf diese und andere Ungereimtheiten hingewiesen habe, macht die Sache nicht unbedingt besser, denn auf die Änderungen hat SRF-News nicht hingewiesen.

Geänderte Version des Artikels von SRF-News vom 19. Februar 2026, Screenshot vom 3. März 2026.

Auch die «Südostschweiz» bzw. die «Glarner Nachrichten» beilten sich, am 25. Februar 2026 den Fehler zu korrigieren, nachdem am 22. Februar 2026 nur von zwei Kandidaten – Peter Zentner und Maja Blumer – die Rede gewesen war:

Die Südostschweiz berichtet am 25. Februar 2026, 06:00 Uhr, dann doch noch, dass es drei Kandidaten für das Gemeindepräsidium gibt (Screenshot vom 3. März 2026).

Fehler passieren nun einmal. Immerhin hätte jetzt die Chance bestanden, ausgewogen über alle drei Kandidaten für das Gemeindepräsidium zu berichten. Oder vielleicht wenigstens anzugeben, welchen Beruf diese «Maja Blumer aus Nidfurn» hat. Aber das hätte wohl zuviel Platz gebraucht2.

Doch was taten die Blätter der Somedia? Der «Fridolin» berichtete in der nächsten Ausgabe vom Donnerstag, 26. Februar 2026 auf der Titelseite unter der Schlagzeile «70 Jahre alte Zöpfe spenden Hoffnung» über ein Thema, über das das Fernsehen SRF schon am 24. Januar 2026 in der Tagesschau berichtet hatte.

Ein Referat von Ständerat Mathias Zopfi wird immerhin im «Fridolin» am 26. Februar 2026 (S. 6) auch noch erwähnt: «Kommt unseren Gemeinden der Gemeinsinn abhanden?», so der Titel. Und Ständerat Zopfi macht engagiert Werbung für das Gemeinderatsamt, dieses soll für «Frauen und Junge attraktiver werden».

Doch wessen Tätigkeit wird besonders hervorgehoben? Diejenige von Gemeinderat Markus Marti (Departementsvorsteher Wald- und Landwirtschaft), der erzählt habe, wie er nach dem Niedergang der Wagenrunse statt zu 30 Prozent zu 100 Prozent für seine Gemeinde arbeitete.

Nun will ich die Leistung von Markus Marti keineswegs kleinreden und Ständerat Zopfi hat in seinem Referat sicher noch viele andere gute Beispiele erwähnt, die Mut machen.

Nur haben bei der Wagenrunse sehr viele mitgeholfen. Etwa die Feuerwehrleute der Feuerwehr Kärpf, knapp 100 Mann und eine Handvoll Frauen. Auch ich selber. Ich bin schon seit acht Jahren bei der Feuerwehr Kärpf und nicht wegen des Feuerwehrsolds oder wegen des Glases Honigs, den es für einen lückenlosen Übungsbesuch gibt. Auch ich hatte bei der Wagenrunse meine Einsätze und leider auch schon drei Dorfbrände in unmittelbarer Nähe meines Holzhauses in Nidfurn erlebt, Hochwassereinsätze usw.

Viele von uns haben wegen der «Wagenrunse» nicht einfach nur von 30% auf 100% aufgestockt, sondern am Wochenende, in der Nacht, an Feiertagen Einsatz geleistet, neben ihrem Beruf, wo sie ihren 100%-Job auch irgendwie weitermachen mussten. Andere, insbesondere das Kader der Feuerwehr und auch die Männer, die bei der Evakuation harte und gefährliche körperliche Arbeit leisten mussten, haben natürlich noch viel mehr geleistet als ich. Ist unsere Arbeit nichts wert?

Und noch etwas: Unsere oberste Chefin bei der Feuerwehr ist, soweit ich mich erinnere, Gabi Aschwanden. Ist ihre Arbeit nichts wert? Und wieso? Weil sie eine Frau ist? Oder will man sie für ihre Arbeit kritisieren?

Maja Blumer, Kandidatin für das Gemeindepräsidium bei den Wahlen am 8. März 2026, AdF Feuerwehr Kärpf, bei einer Feuerwehrübung im Sernftal 2022

Dann ist im «Fridolin» vom 26. Februar 2026 (S. 11) auch noch ein Artikel über die Glarner Regionalbank zu finden, die sehr erfolgreich wirtschaftet.

Und welchem Mann ist dieser Erfolg zuzuschreiben? Wer die Antwort nicht selber findet, wird am Folgetag, 27. Februar 2026 16:00 in der «Südostschweiz» aufgeklärt. Es ist natürlich der Gemeindepräsidentskandidat Peter Zentner, langjähriger Verwaltungspräsident der Glarner Regionalbank: «Ihm würden Sie Ihr Vermögen anvertrauen – und möglicherweise haben Sie es auch schon getan». Und weiter: «Peter Zentner will Gemeindepräsident von Glarus Süd werden. Die Gemeinde hat Geldsorgen. Als Pensionskassen- und Bankpräsident bringt Zentner ein Flair für die Finanzen mit.» Immerhin wissen wir jetzt, weshalb Peter Zentner statt den bisherigen wichtigen Positionen – Schulverwaltung, Glarner Regionalbank, FDP-Präsident3– noch ein anderes Amt anstrebt: «Ich würde gerne noch einmal etwas ganz anderes machen.»

Frauen im Gemeinderat oder sogar im Gemeindepräsidium? Wahlen bei denen man eine Wahl hat? Ein alter Zopf. Abschneiden!


Dr. iur. Maja Blumer, LL.M. (Tsinghua), arbeitet als selbständige Rechtsanwältin in Stäfa. Sie ist Eigentümerin der einen Hälfte des 1687 erbauten Gross Blumerhaus in Nidfurn und kandidiert nach ihrem Parteiaustritt aus der FDP als Kandidatin bei den Wahlen für das Gemeindepräsidium der Gemeinde Glarus Süd am 8. März 2026.


  1. Nun ist das lustige Video nicht ganz unproblematisch, was ich in einem Blogartikel unter dem Titel Schweizer Tourismusoffensive in Taiwan: Genial oder gefährlich? für diejenigen, die es betrifft, auch kommentiert habe. ↩︎
  2. Es sind dies im wesentlichen: Lizenziat für Rechtswissenschaften von der Universität Bern (lic.iur., magna cum laude [zweithöchste Auszeichnung]) 2000, Fürsprecherpatent (Anwaltspatent) 2002 erworben im Kanton Bern, Doktorat in Rechtswissenschaften (Dr. iur.) mit Dissertation über das Thema «Bilanzkosmetik» an der Universität Bern (2007, summa cum laude [höchste Auszeichnung]) und Masterabschluss in chinesischem Recht (LL.M.) von der Tsinghua University in Beijing, Volksrepublik China. Dazu 25 Jahre Berufspraxis. Weitere Details zu meiner politischen Haltung und zu meinen Gründen, zu kandidieren auf www.fajus.com ↩︎
  3. Die FDP büsste bei den Landratswahlen 2018 als bis dahin stärkste Fraktion fast die Hälfte der Sitze ein. Vorher habe man aber nur Erfolge gehabt. Ich selber kandidierte erst in den Landratswahlen 2022, als Listenfüllerin auf Liste 07 FDP Glarus Süd Liste 1. ↩︎