Das Blumerhaus

von Maja Blumer, 15. September 2025

Mit den Blumerhäusern ist es so eine Sache. Es gibt ziemlich viele davon, allein in meinem Heimatdorf Nidfurn (Glarus Süd) sind es deren sechs, und von dort zogen die Blumer in die ganze Welt und bauten weitere Blumerhäuser. Mein Blumerhaus, die Nummer Drei, ist aber doch etwas Spezielles.

Mein Urur….urgrossvater baute das Gross Blumerhaus 1687 für einen oder zwei seiner Söhne. An Platzknappheit litt die Familie Blumer damals eigentlich nicht. Das stattliche Blumerhaus I, genannt Hoschethaus (1440), stammt zwar wohl aus dem 15. Jahrhundert, war damals also nicht gerade neu, ist aber selbst für heutige Verhältnisse ziemlich gross. Das Blumerhaus II, damals «die Bleiche», später auch als «Beggehus» oder «Landvogthaus» bekannt, wurde im 17. Jahrhundert (1647) wahrscheinlich gerade erst aufgestockt.

Doch das reichte nicht: Ein Gross Blumerhaus musste her. Nicht zuletzt weil man mit den Baumeistern der Krone gleich nebenan um die Wette baute. Ob dieser Wettkampf ganz fair war, ist nicht ganz klar. Es macht ein bisschen den Eindruck, als hätte das Gross Blumerhaus eigentlich im dritten Stock fertig sein sollen und als habe man schnell noch ein anderthalbstöckiges Häuschen quer obendrauf gestellt, dass irgendwo vorrätig war.

Dank der gewonnenen Wette reichte es 1687 auch noch für einen Barockmaler

Wie auch immer, die Blumer gewannen die Wette, die Bauherren der Krone bezahlten die Wettschuld, wenn auch ärgerlicherweise in kleinen Münzen. Zum Glück war im Gross Blumerhaus ein Tresor eingebaut worden, denn Banken gab es ja damals noch nicht. Das Geld reichte sogar, um noch das oberste Stockwerk mit Malereien zu verzieren. Er war wohl nicht gerade ein Schüler Caravaggios, dafür haben seine Malereien gewisse komische Qualitäten.

Jedenfalls stehen die Krone und das Gross Blumerhaus seither einmütig nebeneinander. Allerdings harrt die Krone noch darauf, von ihrem hässlichen Verputz und der noch hässlicheren Dachaufstockung befreit zu werden, während die Fassade des Gross Blumerhauses wieder in seiner alten Schönheit strahlt. Dabei halfen Beiträge des kantonalen und eidgenössischen Denkmalschutzes sowie der Stiftung Pro Nidfurn. Die damaligen Eigentümerinnen hatten der Unterschutzstellung bereits 1978 (Kanton Glarus) bzw. 1984 (Eidgenossenschaft) zugestimmt.

Das Gross Blumerhaus (1687) vor der Fassadenrenovation, im Hintergrund das Gasthaus Krone

Seit 1687 wurde die südliche Hälfte des Hauses immer innerhalb der Familie Blumer weitergegeben, allerdings trugen die letzten Besitzerinnen, die das Haus geerbt hatten, nicht mehr den Familiennamen Blumer. 2017 konnte ich die südliche Hälfte des Gross Blumerhauses mitsamt Mobiliar käuflich erwerben.

Apfelblütenzimmer

Seither kümmere ich mich als Haus-Frau um den Erhalt dieses Blumerhauses und die Weitergabe des Wissens, das nötig ist, damit dieses Bau-denk-mal nach über 333 Jahren weiterhin seine ursprüngliche Funktion als Wohn- und Arbeitsraum wahrnehmen kann. Eingedenk der gegenüber der Eidgenossenschaft bei der Unterschutzstellung 1984 eingegangenen Verpflichtung «das Denkmal in dem seiner Zweckbestimmung vereinbaren Masse der Allgemeinheit zugänglich zu machen» öffne ich das Haus gerne für Gäste, die Wert auf gelebte Tradition legen.

Das Tresorzimmer